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Zuger Presse Zappa oder Ehre, wem Ehre gebührt Die Theater-Neumarkt-Produktion «ZAPPA! Alles
über Frank» eröffnet das Eidgenössische Theaterfest Zug Frank Zappa lebt. Zumindest durch seine
irdische Vertretung, den Zürcher Schauspieler Daniel Rohr. Mit Band präsentiert
er in der Spinni Halle ausgewählte Texte von Frank Zappa (1940-1993) als
Theater. Zuger Presse: Wie kommt man dazu, ein
Theaterstück über Frank Zappa zu machen? Daniel Rohr:
(lacht) Zappa hat mich ein Leben lang begleitet. Er ist für mich schon sehr
früh zu einer wichtigen politischen und musikalischen Figur geworden.
Irgendwann ist mir aufgefallen, wie theatralisch seine Texte sind, und dass sie
danach schreien, theatral umgesetzt zu werden. Zappa selber hat auf der Bühne
immer kleine Szenen aufgeführt. Er und seine Band haben sich verkleidet und
rumgealbert. Für unser Theater haben wir die Vorzeichen gekehrt: Wir, ich und
meine sechsköpfige Band, haben ein Programm geschaffen, das in erster Linie
theatralisch und erst dann musikalisch ist. Was war Ihre erste Begegnung mit Frank
Zappa? Wahrscheinlich
sah ich, wie viele, das Poster, auf dem er auf dem WC sitzt. Zappa hat darüber
gesagt: «Es gibt mehr Leute, die meinen Namen gehört, mein Gesicht gesehen oder
mich auf einer Toilette sitzen gesehen haben, als solche, die meine Musik
gehört haben oder irgend eine Ahnung von dem haben, was ich mache.» Natürlich
fand ich damals das Poster gut. Es ist aber
sehr überspitzt, was ich jetzt sage. Frank Zappa war auch immer wieder eine
politische Figur, auch wenn er sich nicht direkt politisch geäussert hat. Er
hat sich als Amateuranthropologe bezeichnet. Zappa hat aber durch seine Taten
eine politische Haltung bewiesen. Aus welchen Anlass ist «ZAPPA! Alles
über Frank» entstanden? Der sechzigste
Geburtstag von Frank Zappa, am 21. Dezember 2000, hat uns veranlasst, dieses
Stück zu entwickeln. Damals habe ich zusammen mit zwei anderen Kollegen am
Theater am Neumarkt eine Lesung mit seinen Texten gegeben. Wir merkten, wie
theatral seine Texte sind und wie viel Potential in seinem Werk steckt. Ihr Stück spielt im Fegefeuer. Wieso? Ich habe noch
keinen Menschen erlebt, der so mutig und gefasst seinem Tod entgegen geblickt
hat (Zappa ist mit 53 Jahren, am 4. Dezember 1993 gestorben, Anm. d. Red.). Das
hat mich sehr beeindruckt. Wir haben uns immer wieder die Frage gestellt: Wo
ist Zappa jetzt? Es gibt in unserer Vorstellung einen Satz, in dem Zappa sagt,
dass er nicht an den Mann mit dem weissen Bart glaube, der alles sieht und
aufpasst, dass die Guten belohnt werden. Zappa hat über den Tod Folgendes
gesagt: «Ich glaube viel eher, dass es irgendeinen chemischen Prozess gibt, der
den ganzen Haufen Scheisse, den jeder mit sich herumschleppt, zum Leben
erweckt. Daher ist es nicht ganz unmöglich, dass er sich zum Zeitpunkt, an dem
der chemische Prozess nicht mehr in der Lage ist, den Haufen Scheisse in
Bewegung zu halten, in Energie umwandelt, um eine eigene Existenz zu führen.» Frank Zappa
kommt bei all den Sauereien, die er auf der Bühne gesungen hat, sicher nicht in
den Himmel. In die Hölle kommt er erst recht nicht, weil er ein so
wahrheitsbesessener und anspruchsvoller Mensch war. Also kommt er ins
Fegefeuer. Und was macht man dort? Wer Beckett gelesen hat, weiss, dass man
dort die Zeit damit verbringt, das zu tun, was man auf der Erde gemacht hat.
Das heisst, Zappa sitzt immer noch da und singt seine Songs, und kämpft immer
noch dafür, die Menschen zu wecken. Auf www.alles-ueber-frank.com gibt es
ein Bild von Ihnen, in dem Sie sich, nur mit einer Unterhose bekleidet, auf
einem Sofa räkeln. Das ist ein
Zappa-Zitat, das ich sehr gerne wiedergebe. Ich singe dort in Tigerunterhosen
vom Zombie Wolf. Zappa hat Fotosessions gemacht, auf denen er sich mit
wunderschönen Fotomodellen ablichten liess. Er selber trug Ringelsocken und
Tigerunterhosen. Zappa hat sich immer wieder für Fototermine verkleidet. Als
Samichlaus, als Marktfrau oder als Kapitän. Alles natürlich bewusst völlig
geschmacklos. Was darf man vom Theater erwarten und
was nicht? Ich beginne
vielleicht besser mit dem, was man nicht erwarten darf: Ich werde nicht mit
einem Zappa-Schnauzer auf die Bühne kommen und mit tiefer Stimme seine Songs
vortragen. Was man erwarten kann, ist eine sechsköpfige Band mit mir als
Sänger, die versucht, einen Abriss über sein Schaffen zu zeigen – und zwar mit
deutschen Texten. Ich habe seine Texte ins Deutsche übersetzt. Das war viel
Arbeit, weil die auch rhythmisch passen und die Reime stimmen mussten. Und sie
mussten natürlich auch den Witz von Zappa haben. Das Publikum darf einen tollen
Theater-Rock-Abend erwarten und mit mehr Wissen über Zappa nach Hause gehen. Immer wieder schimmert der Fan durch.
Mit wie viel Distanz sind Sie an das Projekt herangegangen? Ja, ich bin
ein Fan. Ich habe aber eine sehr dialektische Beziehung zu ihm. Wenn er zum
Beispiel sagt: «Jeder ist für mich ein Arschloch bis zum Gegenbeweis.» Dann ist
das diametral meiner Lebenseinstellung entgegengesetzt. Auch ist Zappa jemand,
der polarisiert. So jemand bin ich nicht. Ich habe mich an Zappa immer wieder
gerieben. In anderen Punkten ist er mir unglaublich nahe, fast freundschaftlich
nahe. In seiner Arbeitswut und Suche ist er mir sehr vertraut. In dieser
Hinsicht habe ich sehr viel von ihm gelernt. Es gibt einen Satz von ihm, der mich
immer wieder sehr traurig macht: «Nichts oder niemand ist durch meine Arbeit
verändert worden.» Mich hat die Beschäftigung mit Zappa verändert, er hat mir
wesentliche Impulse gegeben für das, was ich mache. Interview Robert Pally |
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Untertitel: Interview mit Daniel Rohr über seine Zappa-Show im Scala Wetzikon Lead: „Zappa! Alles über Frank.“ von und mit dem Neumarkt-Schauspieler Daniel Rohrsowie einer sechsköpfigen Band ist eine schrille und witzige Revue, eine schalkhafte Hommage an den schillernden Avantgardisten Frank Zappa, das Enfant Terrible der Pop-Musik. Die Produktion des Theater Neumarkt Zürich wurde im In- und Ausland gefeiert und kommt jetzt für zwei Abende ins Scala im Gasthof Ochsen Wetzikon. Frank Zappa hat mich mein Leben lang begleitet. Er war nie wirklich zu fassen und hat sich doch kontinuierlich weiterentwickelt. Das macht ihn so spannend. Zappa hat Vieles vorweggenommen, hat die sogenannte E-Musik mit der Unterhaltungsmusik verschmolzen und auf vielen Gebieten gearbeitet, auch für Film und Video. Er arbeitete wie ein Besessener, produzierte 60 Alben in 27 Jahren, nahm andere und vor allem sich selbst aber nicht sehr ernst. Humor und Selbstironie ziehen sich durch sein ganzes Werk. Für mich ist Zappa ein Gesamtkunstwerk. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, über den Musiker Zappa einen Theaterabend zu gestalten? Im Dezember 2000 wäre Frank Zappa 60 Jahre alt geworden. Dazu war ursprünglich eine Lesung mit seinen Texten geplant, denn er hat nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich etwas zu sagen. Ein Zappa-Konzert war eine richtige Performance, Szenen wurden gespielt, Situationen nachgestellt, Geschichten erzählt. Als Schauspieler haben mich diese theatralischen Qualitäten seiner Texte angesprochen, denn auch wir machen nichts anderes als Geschichten erzählen. Die Idee einer Zappa-Show war geboren und wurde vom Theater auf den Spielplan gesetzt. Wird auch der politische Zappa thematisiert? Zappa war zwar ein Rebell, aber er hat sich nie politisch vereinnahmen lassen. Das hat ihn schlicht nicht interessiert. Als Jux hat er mit dem Gedanken gespielt, sich als US-Präsident zu bewerben, denn schlimmer könne es selbst mit ihm nicht werden. Seine Krebserkrankung hat ihn jedoch davon abgehalten. Zappa bezeichnete sich als Amateur-Anthropologe, der aus den kleinen Begebenheiten des täglichen Lebens Geschichten spinnt. Er war aber nicht nur Beobachter, er hatte immer eine klare Haltung, war zwar Zyniker, aber nie gleichgültig. Wie äusserte sich sein Zynismus? Bekannt ist etwa Zappas Ausspruch „Jeder ist für mich ein Arschloch bis zum Gegenbeweis“. Trotz dieser Menschenfeindlichkeit veröffentlichte er 60 Alben und begeistert mit seinem unnachahmlichen Humor. Zappa hat eben viele Facetten. Er konnte auch ein Despot sein, vor allem mit seinen Musikern. Als Perfektionist konnte ihm kaum einer genügen, nicht einmal er selbst. Vor Konzerttourneen wurde monatelang geprobt, bis jedes Stück sass - um dann an den Konzerten improvisiert zu werden. Weshalb haben Sie alle Texte und Songs auf deutsch übersetzt? Das war sicherlich gewagt. Aber uns ist es wichtig, dass die Texte und
Geschichten von Frank Zappa vom Publikum verstanden werden. Ein
wunderschönes Zappa-Zitat lautet: "Zeit ist das Entscheidende. Zeit ist
alles. Und wie man diese Zeit füllt.³ Ich habe die Texte jedoch nicht
wortwörtlich übersetzt, sondern dem Sinn nach, damit sie in Rhythmus und
Reim stimmen. Spielen Sie Frank Zappa auf der Bühne?
Zappa darzustellen oder imitieren zu wollen ist unmöglich. Ich spiele eine
Figur, die in Zappas Figuren schlüpft. Ausgangspunkt war die Frage, wo Zappa
heute wäre. Wohl kaum im Himmel bei seinem Lebenswandel, aber auch nicht in
der Hölle, dafür war er zu ehrlich und echt. Er sitzt immer noch im
Fegefeuer und spielt seine Songs, begleitet von sechs schwarzen
musikalischen Engeln, meiner Band.
Wie haben die Zappa-Fans auf die Show reagiert?
Die Zappa-Fangemeinde war zwar skeptisch, aber wohlwollend. Der weltweit
einzige Zappa-Fanclub im ostdeutschen Bad Doberan bei Rostock hat uns
beispielsweise immer wieder mit Bildern und Interviews aus ihrem
Zappa-Archiv versorgt. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, als die in einer
Vorstellung mit Fanclub-Shirts und Kappe in den ersten beiden Reihen sassen.
Beim Schlussapplaus ist uns ein Stein vom Herzen gefallen. In Rostock haben
sogar ehemalige Zappa-Musiker unsere Show gesehen und gewürdigt. Das war wie
ein Ritterschlag.
Mit Genesis haben Sie bereits ein neues Musik-Projekt in Planung. Können Sie schon etwas darüber verraten?
Mit Genesis haben Sie bereits ein neues Musik-Projekt in Planung. Können Sie
schon etwas darüber verraten?
Grundlage ist das 1974 entstandene legendäre Genesis-Konzeptalbum "The Lamb
lies down on broadway³. Mich interessieren vor allem die Texte von Peter
Gabriel, die ich gleich wie bei Zappa auf Deutsch übersetzt habe. Diese
phantastische Reise durch das Unterbewusste zeichnet sich neben grosser
Ernsthaftigkeit durch Gabriels feinen britischen Humor aus, ist aber noch
wesentlich surrealer und verspielter als der Zappa-Abend. Premiere ist am 5.
Oktober im Theater Neumarkt.
Interview: Jan-Jesse Müller
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