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Ein Untoter lässt die Puppen tanzen Mit seiner Aufführung «Zappa!» im Zürcher Theater Neumarkt ist Daniel Rohr das schier Unmögliche gelungen Schön, wenn gelingt, was mit Skepsis erwartet worden ist. «Zappa», Daniel Rohrs klingende Hommage an eine Jahrhundertikone des alternativen Showbusiness, hat das Premierenpublikum im Theater Neumarkt geradezu hingerissen. Das Wagnis ist nicht zu unterschätzen. Das Hineinschlüpfen in Figuren ist zwar alltägliche Aufgabe eines Schauspielers. Basiert die Figur jedoch auf einer historischen Person, die Frank Zappa hieß, grenzt die Herausforderung an Anmaßung. Daniel Rohr, Mitglied des Neumarkt-Ensembles, hat das schier Unmögliche gewagt - und gewonnen. Seine revueartige Bühnenshow «Zappa! Alles über Frank» wird der Kultfigur Frank Zappa (1940-1993) mehr als gerecht. Rohr gelingt nichts Geringeres, als den schillernden Avantgardisten zu dessen 60. Geburtstag noch einmal zum Leben zu erwecken. Und dies, indem er den wahrhaft Untoten im Jenseits auftreten lässt.
Wohlige Schauer Abgesehen davon, dass dieser Kunstgriff dank seines makabren Humors allein schon das Gütesiegel «zappaesk» verdient, schafft sich Rohr damit den nötigen Freiraum, um aus dem Vollen zu schöpfen. Denn im Jenseits existieren weder Zeit noch Raum, und so zappt sich der auferstandene Bühnen-Zappa durch das Labyrinth seiner klingenden Vita. «Musik ist das Beste», postuliert er rückblickend und lässt sie noch einmal abfahren, seine skurrilen Rockjazz- und Kammerpunk-Arien, deren abstruse Symbolik und mit faustdicker Obszönität aufgetragene Gruselsatire der Pop-Generation wohlige Schauer bescherte.
Zappaesk montiert Daniel Rohrs Performance wirkt glaubhaft vor allem aus zwei Gründen. Zum einen verwendet er Zappas charakteristische Montagetechnik des perfekt arrangierten und circensisch inszenierten «anything goes». Er switcht vom wilden Theaterrock der Zappa-Band «Mothers Of Invention» direkt zum opulenten Alterswerk «The Yellow Shark». Und zum derben Proletenschocker «Titties & Beer» lässt er ein Puppentheater tanzen. Zum Zweiten gelingt es Rohr, Mimik, Gestik und Diktion des clownesken Schauspielers Zappa derart überzeugend zu imitieren, dass die ins Deutsche übertragenen Songs und Storys kaum an Wirkung verlieren. Zudem lässt er sich von einer Ad-hoc-Band begleiten, die - obwohl nur sechsköpfig - die orchestralen Zappa-Tracks beherrscht, indem sie sich auf des Meisters Lieblingsinstrumente beschränkt: Gitarre und Bass, Schlagzeug und Marimbafon, Keyboards und Saxofon. «Zappa!» kolportiert und verrät wohl nicht «alles über Frank». Dies kann auch nicht erwartet werden. Doch Daniel Rohr und seiner Truppe ist eine schalkhaft liebevolle Hommage an einen seit sieben Jahren Toten gelungen, der da sagt: «Ich denke, es wird echt tragisch, wenn die Leute immer alles so ernst nehmen.» Frank von Niederhäusern, SFD |